| Bimbach Supercup 2007 |
Und es gibt doch einen Wettergott!
Der Wetterdienst hatte schon Tage voraus schlechtes Wetter für den Supercup in Bimbach angesagt. Am 27. Mai dann konnten die Radsportler, vor allem diejenigen für die das Gelände eher "flach" zu sein schien (ich denke hier an Ralf), feststellen, dass der Wettergott ein Radsportler ist. Aber fangen wir doch mal ganz von Vorne an. Wir, Peter und Klaus (also ich), verabreden uns mit Anja und Thomas, um den Bimbacher Supercup unter die Räder zu nehmen. Sonntagmorgen, um 02:15 Uhr, jeder normale Mensch würde um diese Uhrzeit gerade mal ins Bett gehen, treffen wir uns bei Klaus. Gemeinsam geht's dann in zwei Auto's Richtung Bimbach. Damit der Leser das Ganze richtig einordnen kann: Peter und Klaus fahren schon jahrelang, dagegen sind Anja und Thomas erst in diesem Jahr zum Rennradsport gekommen und fahren ihren ersten Radmarathon. Die Fahrt nach Bimbach verläuft gut, bis auf das Wetter. Es regnet. Nicht feste, aber zum nass werden reicht’s. Wir kommen zeitig in Bimbach an und holen uns unsere Wertungskarten. Dann werden die Renner aufgebaut. Ab jetzt gilt unser Augenmerk dem Wetter. Es Regnet nicht mehr und die Bewölkung scheint sich auf zu lockern. Anja, unser zierliches Persönchen, ist total aufgeregt. "Hoffentlich schaffe ich das!". Peter nimmt mich zur Seite und fragt: "Was machen wir, wenn die nicht mehr können?". Na ja, woll'n wa erst mal losfahren. Der Start wird freigegeben und los geht's. Bis zur ersten Kontrolle, nach 25 km geht alles ganz gut. Alles läuft rund, die beiden fahren gut mit, ist ja auch noch nichts passiert. An der Kontrolle holen wir uns nur den Stempel und starten durch. Als nächstes kommt die Bewährungsprobe für unsere Rookie's und natürlich auch für die "alten" Hasen. Es wartet der 18%'er auf uns. Allein der Gedanke daran lässt meine Knie weich werden. Am Anstieg fahren wir alle in der Gruppe. Langsam aber sicher zieht sich das Feld auseinander und mir war irgendwie vorher schon klar, dass ich der letzte aus unserer Vierergruppe bin. Aber dadurch kann ich dann ganz gut die Rookie's beobachten. Was soll ich sagen, diese Aufgabe haben die beiden gut gemeistert. Weiter geht es durch das hügelige Gelände Richtung Wasserkuppe. Ich hab das dumpfe Gefühl, wird fahren viel zu schnell. Ich dampfe schon aus allen Poren. Die beiden Rookie's fahren vorne, Peter und ich hinten dran. Peter fährt neben mir und ruft mir zu: "Wenn die so weiter fahren können wir uns warm anziehen"! Ich denke nur: Noch wärmer? Im Anstieg zu Wasserkuppe stellen wir die richtige Reihenfolge wieder her. Klaus (also ich) kommt als erster oben an, dann Peter und dann die Rookie's. Wär doch gelacht, wenn das anders gekommen währe. Die Welt ist wieder in Ordnung, wir sind die Helden und ihr die Rookie's. Es wird immer wärmer und statt des Regen's kommen die Fliegen raus. In ganzen Schwärmen fliegen sie ausgerechnet da, wo wir fahren. In einem unachtsamen Moment nehme ich gleich mal ein halbes Pfund Eiweiß zu mir. Wasser drauf und fertig. Schließlich muss ich dran bleibe. Nach 90 km haben wir 'nen 27er Schnitt. Viel zu schnell, das halte ich nicht durch und die Rookie's sitzen auf dem Rad und grinsen. Unverschämt! Wir sind an Kontrolle 3. Mir tut alles weh! Mein Hunger kennt keine Grenzen. Zwei Becher Milchreis, eine Tasse Brühe und noch einen Riegel Müsli, dann geht's mir wieder besser. Anja und Thomas sehen immer noch so aus, als wenn sie gerade erst aufs Rad gestiegen wären. Halbwegs ausgeruht, geht’s weiter. Aber wo ist Anja? Wo ist unser Mädel? Thomas und ich suchen, bis Peter uns sagt, dass Anja schon gefahren ist. Heeeh, die ist schon weg? Na, das kann ja noch richtig toll werden. Direkt nach der Kontrolle geht es in einen 10%igen, 5 km langen Anstieg. Ich bereue, dass ich soviel gegessen habe. Ich könnten ko....! Auch diesen Berg komme ich hoch, als letzter der vier und über lege mir, ob ich die Prioritäten nicht einwenig verschieben sollte. Ankommen, statt vorne fahren wollen. Das hat in zwischen eh Thomas übernommen. Gefolgt von Anja und Peter. Das schöne am Bimbacher Radmarathon sind die langen, nicht endend wollenden Anstiege. Der nächste, der auf uns wartet hat irgendwo um 12% und ist ca. 7 km lang. Ich bin begeistert. Und wieder schaue ich mir das geschehen von hinten an. Die Abstände zu den anderen werden nicht wirklich größer, aber diese Schmach. Wo Klaus ist, ist hinten. Danach, endlich mal ein Streckenabschnitt, wo man sich ausruhen kann. Noch läuft es einiger Maßen rund. Aber grade in dem Moment wo ich mich wieder gut fühle kommt so'ne dooofe Biene volle Dose von der Seite in meinen Helm geflogen. Es knallt richtig laut, dann merke ich, die hat das überlebt. Dann haut die mir den Stachel volles Rohr in die Birne. In Weltrekordzeit hole ich mir bei voller Fahrt den Helm vom Kopf und haue den Heldentöter weg. Ich verspüre einen stechenden Schmerz, setzte aber aus Sicherheitsgründen den Helm erst mal wieder auf. Oh Gott, hoffentlich wird das jetzt nicht dick. Dann stelle ich mir vor, wie man mir an der nächsten Kontrolle den Helm vom Kopf operiert. Die nächste Kontrolle (die letzte) kommt dann auch, aber ohne Helmoperation. Bis hierher haben mich dann eher diese Anstiege klein gemacht. Die Oberschenkel brennen wie die Brennkammern eines 6 Zylinders bei voller Fahrt mit dem Unterschied, dass der 6 Zylinder nach 190 km immer noch Leistung hat. Ab hier kommt dann auch der Wettergott wieder ins Spiel. Wir schlingen eben schnell die Affenkotelett's rein und schwingen uns wieder auf die Renner. Der Himmel zur Linken ist schwarz, zur Rechten "noch" blau. Das ist unsere Richtung. Wie fahren gemeinsam auf Wunsch von Anja ("Wir fahren jetzt alle gemeinsam nach Bimbach rein") mit nem 35er bis zum nächsten kleinen Anstieg. An dem bewegen sich die anderen 3 stetig und bestimmt von mir weg. Es dauert nicht lange und ich fahre alleine im Regen. Der hat nämlich zwischenzeitlich eingesetzt und das nicht zu knapp. Ein Gewitter von der heftigen Sorte. Ich sitze, in 30 Grad am Wind angelehnt, auf meinem Schleifstein und denke bei dem Regen an Gerolstein "Highway To Hell" (siehe Bericht). Zu diesem Zeitpunkt dürften die "Flachfahrer", also die, denen das Gelände nichts aus macht, schon wieder im Ziel sein. Ralf lässt Grüßen.
Ich hab's dann doch geschafft. Im Ziel kommen mir die anderen 3 entgegen. Wir fallen uns in die Arme und feiern unsern Sieg. Von Peter höre ich dann auf der Heimfahrt, dass er auf den letzten Kilometern die Rookie's auch ziehen lassen musst. In Rietberg angekommen, haben die "alten Säcke" dann den Rookie's beim Weizenbier ein super großes Lob ausgesprochen. Feuertaufen mehr als bestanden. Es grüß Euch der Geschichtenschreiben. |