| Gerolsteiner-Tour-Festival 2007 |
Grundlagenausdauertraining vom Feinsten!
Da haben wir (Peter und Klaus) uns mal im Januar zum Gerolsteiner-Tour-Festival eingeschrieben und trainiert bis das die Socken qualmten, um mit den Boliden durch die Eifel zu kommen. Und dann das! Wir fahren also Freitagmittag Richtung Gerolstein. Alles ist gut, nur das Wetter entspricht nicht ganz unseren Vorstellungen. Was soll's. Der Wetterbericht hat für Samstag Besserung gelobt. Wir kommen in Neroth, Ort unserer Unterkunft (Zur Neroburg) an und sind gleich mittendrin statt nur dabei. Das Hotel ist ausgebucht, alles Radsportler. Kurt und Alfred fallen uns sofort auf. Die beiden Rentner Anfang Siebzig laden ihre Renner aus, Material zum blass werden. Storck-Boliden aus Carbon, die Komponenten sind ebenfalls aus gutem Hause. Im Hotel lernen wir dann noch Klaus2 und Claudia aus Grevenbroich kennen. Abends beim Bierchen werden dann schon mal die Heldentaten aus vergangenen Tagen erzählt. Zu diesem Zeitpunkt konnte noch keiner Ahnen, dass eine weitere folgen sollte. Samstagmorgen um 6:00 Uhr reist mich dann der Wecker aus dem Halbschlaf und ich spüre sofort, alle Systeme stehen auf Ready. Der Tag kann kommen, doch der Blick durchs Fenster verheißt nichts gutes. Es regnet! Egal, ich gehe mit Peter zum Frühstücken. Kurt, Alfred, Klaus2 und all die anderen sind auch schon da und geben mal durch, wer welche Strecke fährt. Peter, Klaus2 und Klaus (also ich) haben sich für die 210 km eingeschrieben, Kurt und Alfred lassen es etwas gemächlicher angehen und wollen 101 km unter die Laufräder nehmen. Na dann mal los!
Kilometer 10, Peter fährt immer noch hinter mir. Das macht mir irgendwie Sorgen, da das normaler Weise genau anders herum läuft. Liegt's am Gelände? Ich hab das Gefühl, das es nur bergauf geht. Bei Kilometer 20 ist es dann soweit. Wassereinbruch im linken Schuh. Drei Kilometer später ist dann auch die rechte Seite dran und mir fällt wieder Highway To Hell ein. Es geht nach 25 Kilometern das erste Mal bergab und der Himmel weiter auf. Ich fahre in einer Gruppe von ca. zehn Fahrern an letzter Position und frage mich, warum ich mir die Brille auf meiner Nase nicht mit Scheibenwischer gekauft habe. Es ist der Blindflug im U-Boot. Hallo Petrus, das habe ich mir anders vorgestellt!!!
Nach 53 Kilometern ist die erste Verpflegung. Ich steige vom Boliden, um Essen zu fassen und mit Peter das weitere Vorgehen zu besprechen. Das Essen war da! Ich beschließe, mir die Taschen voll zu stecken und weiter zu fahren. Die Strecke ist echt Anspruchsvoll und fordert alles ab. Bei Kilometer 70 kommt nach unzähligen kleineren Anstiegen eine kurze aber heftige Rampe von 16%. Bei dem Wetter aus dem Sattel? Mir bleibt auch nichts erspart. Die Rampe ist nur 300 Meter lang. Am Ende taucht hinter einer Hecke ein Dorffriedhof auf. Wie Sinnig. Ich ertappe mich dabei, wie ich Highway To Hell summe. Mit Kilometer 75 fahren wir dann mit dem Wind und man kann ein wenig "Ausruhen". Es folgt eine lange Abfahrt mit Serpentinen, die trotz regennasser Fahrbahn gut zu fahren ist. Dann folgen weiter Auf's und Ab's bis bei Kilometer 98 die zweite Verpflegung kommt.
Die steile Friedhofswand kommt nach 120 Kilometern wieder in mein Blickfeld und ich frage mich, ob da wohl schon einer was freigeschaufelt hat. Da würde ich mich glatt reinlegen. Ich fühle mich wie ausgelutscht.
Nach einer viertel Stunde merke ich, wie das Leben seine Heimat wieder erobert. Nach 20 Minuten wird der Tag noch schöner, weil unser Wilier-Kapitän auch unbeschadet in den Heimathafen eingelaufen ist. Er durfte die vierte Runde aus zeitlichen Gründen nicht mehr aufnehmen.
Am Abend erfahren wir dann von Kurt, das er nur die 53'ger Runde Der Sonntag war dann der Hammer. Nach dem Aufstehen schaue ich aus dem Fenster, bestes Cabrio-Wetter. Das Leben ist so ungerecht, denke ich, und werfe einen Blick in die Finisher-Liste 155km Masters. Klaus Platz 93 und Peter Platz 122. So ungerecht ist das Leben nun doch nicht, oder? |