 11 Radsportler vom RSC-Rietberg waren zum 10. Geburtstag der HEW-Cyclassics, auf Einladung der Jungheinrich AG, am 30.07.2005 nach Hamburg gefahren, um an der Sportveranstaltung teil zu nehmen. Ein Erlebnis der besonderen Art.
HEW-Cyclassics 2005 – Die Pastaparty
Am Abend des 30.Juli 2005 wurde durch die Jungheinrich AG eine Pasta-Party im Landgasthaus Walter, im Hamburger Stadtpark, ausgerichtet. Um 17:30 Uhr wurden den Teilnehmern die Startunterlagen und die Trikots ausgehändigt, bevor die Pasta-Party eröffnet wurde. Bei Nudelgerichten aller Art und dem isotonischen Gebräu mit und ohne Alkohol konnte man mit den netten Jungs und Mädels des Radsports über denselben fachsimpeln. Neben den Fachsimpeleien wurden natürlich auch die Schauermärchen aus dem letzten Jahr ausgeplaudert: Stürze ohne Ende, offene und geschlossene Knochenbrüche, Blutverlust gleich Literweise. Der Respekt und die Angst vor dem nächsten Tag bekamen bei dem ein oder anderen die Oberhand und lösten das Gefühl aus: „Sollte ich nicht doch lieber die Akkreditierung zurückziehen?“. “Na ja, trinke ich mal lieber ein Bierchen mehr, damit ich auch richtig schlafen kann“; wird sich da so manch einer gedacht haben. HEW-Cyclassics 2005 – Der Renntag
06:00 Uhr Der Wecker schrillt und holt uns aus dem mit Bier und Wein herbeigeführten Tiefschlaf. Wir, das sind in dem Fall Dieter und Klaus. Dieter legt sich in seiner bekannt liebenswürdigen und konfusen Art und Weise gleich wieder ins Bett. Und mir wird just in dem Moment flau im Magen, als mir das Radrennen wieder einfällt. Dem zur Folge bin ich der erste im Bad. Dort stelle ich fest, der Tag ist doch nicht so schlecht, das erste Rennen haste schon gewonnen.
06:30 Uhr Die 11 RSC’ler treffen sich im Frühstücksraum des Hotels. Alle sehen irgendwie kämpferisch aus. Das kann nur der Hunger sein oder sollte das doch der rennfahrerische Ergeiz sein? Wie dem auch sein. Das Frühstück geht ganz „normal“ von statten, keine weiteren Vorkommnisse.
07:00 Uhr Die Räder werden aus der Garage geholt, um mit leichter lockerer Fahrt zum Jungheinrich-Bus am Jungfernstieg zu fahren. Foto-Termin, wie bei den Profis, ist doch klar. Ein Donnern und Dröhnen in der Luft zeigt uns an, die Heli’s sind auch schon in der Luft, eigentlich kann es losgehen. Doch wo ist Dieter, hat jemand Dieter gesehen? Ne! Alle suchen nach Dieter, bis vom Alex einer rüberruft: „Was sucht ihr, habt ihr was verloren?“. Dieter, ganz ruhig im Alex beim Kaffee. Oooh maaan!
07:20 Uhr Auf zur Startblockaufstellung. 200 Jungheinrich-Sportler und weitere 19800 Radsportler aus aller Welt suchen ihren Startplatz in den vorgegebenen Startblöcken und wir mitten drin. Wow!!! Das hat was Ameisenhaftes. Die Bedenken sind gewichen, eine geschäftige Hektik hat sich breitgemacht. Wir suchen den Block E. Wir, das sind die RSC’ler außer Dieter. Dieter muss in Block B. Was schreibe ich, er darf in Block B, ganz vorne. Thomas, der wegen einer starken Erkältung nicht mitfahren darf, macht Fotos. Die Heli’s kreisen über uns, das muss das Gefühl der Profis sein, wenn die bei der Tour an den Start gehen. Wunderbar! Plötzlich taucht Dieter wieder auf, 3 Minuten vorm Startschuss. Er war schon im Startblock B, aber für die 55 km. Die Hektik steigt, natürlich nur bei Dieter, weil ihm die Zeit wegläuft. Thomas ist bei der Suche nach Startblock B für die 100 km behilflich.
08:05 Uhr Der Startschuss für die HEW-Cyclassics ist gefallen. Die Starterfelder werden in Abständen von 4 Minuten auf die Strecke geschickt. Was Dieter wohl macht? Ab hier kann ich nur noch von meinen Eindrücken berichten, man fährt halt eben alleine.
08:21 Uhr Startblock E wird freigegeben. Dicke Scheibe drauf und los geht’s. Aus dem Stand auf 42km/h. Ich fühle mich wie ein kalt gestarteter Ferrari, noch nicht ganz richtig frei gehustet und schon im roten Bereich. Die Jagd nach der Zeit beginnt. Ich lerne schnell, Gruppe suchen und Windschatten fahren; die anderen Fahrer anschreien, damit die so fahren wie ich das will und nicht umgekehrt.
08:40 Uhr Ich hab mich nach 10 km in die Spitzengruppe von Block E vorgearbeitet. Da treffe ich Peter, Gerd, Bernd und Wolfgang. Ein Blick genügt und ich erkenne, reden zwecklos alle verteidigen ihre Position. Sehen aber alle noch gut aus. Hoffentlich denken die anderen das auch von mir. Wie es drinnen aussieht geht keinen was an.
09:00 Uhr Die Gruppe, ca. 40 Fahrer, mit der ich unterwegs bin kommt durch ein hamgurger Vorörtchen. Wir werden mit Lautsprecher angekündigt! Irre! Mir läuft ein kalter Schauer über den Rücken, ich hab Gänsehaut! Bei dem Gefühl sitzte grade auf dem Rad und fährst noch mal 8 km/h schneller.
09:30 Uhr Die ersten Hügel kommen und damit auch die Hektik ins Feld. Mir fällt Dieter ein, aber der ist ja weit vorne, hoffe ich. Kleine Abwesenheiten werden sofort bestraft: „Fahr rechts du Arsch!“; „Lass mich da mal rein!“; „Links, große Gruppe!“. Heeeeh! Bin ich ne Frau? Bin ich multitaskingfähig? Neee! Glück gehabt, nix passiert! Schluss mit dem Schei…! Ich schließe mich der „Links, große Gruppe“ an. Die scheinen irgendwie mehr Ordnung zu haben. Dafür fahren die aber auch schneller, Egal!
10:00 Uhr Nach dem Wendepunkt geht’s dann richtig ab, Rückenwind. Die Gruppe fährt gut, immer so um 45 km/h. Ich kann mich ausruhen. Absolute stille in der Truppe. Machen die `nen Stoßgebet oder was? Mir fällt auf, dass alle (ca. 15 Mann) am essen sind. Toll zweites Frühstück bei 45 km/h, hab ich mir immer schon mal gewünscht. Ich mache mit, weil mir die Köhlbrandbrücke ins Gedächtnis schießt. Gute Idee oder! Bei 45 die Powergeltüte mit den Zähnen aufreißen und in den Mund drücken hatte ich mir auch etwas einfacher vorgestellt, hat aber unfallfrei geklappt. Schnell noch Wasser hinter her und dann wieder Luft holen, bevor ich total blau angelaufen bin und mir irgendjemand den Rettungswagen hinterher schickt.
10 Uhr irgendwas Meine Wahrnehmung lässt irgendwie nach. Die Uhrzeit spielt keine Rolle mehr, der Tacho scheint auch kaputt zu sein. Der zeigt immer noch 45 km/h an und dann plötzlich steht „SIE“ vor uns, die Köhlbrandbrücke. Schön, estätisch und verdammt hoch. Egal, wir steuern die Brücke mit stark reduzierter Geschwindigkeit (ca. 37 km/h) an. Mit dieser Geschwindigkeit fliegen wir die Brücke hoch. Da passiert es, ich spüre Widerstand in den Pedalen, ich merke wie sich „meine Gruppe“ langsam aber bestimmt von mir entfernt. Das war so mit den Jungs nicht besprochen. Mir bleibt die Erkenntnis, dass ich alleine weiterkämpfen muss. Also, was mache ich, ich schalte hinten vom 19’er aufs 21’er. Von da übers 23’er aufs 25’er. Oh Gott hilf mir, bitte nicht den Rettungsring! Die Ungnade des Herrn hat mich voll getroffen, das 27’er muss her. Dabei bemerke ich, dass vorne immer noch die dicke Scheibe aufgelegt ist. Anfänger!
Die letzten 15 km Brücke abwärts kämpfe ich für mich alleine, bis wieder eine Formation junger dynamischer Männer an mir vorbei fährt. Alle Energie, die in meinem schlaffen Körper noch zu mobilisieren ist bringe ich auf, um diesen Zug nicht zu verpassen. Super, geschafft, als wenn ich das Hinterradlutschen erfunden hätte, bringt mich diese Gruppe bis zur Streckenteilung bei km 98. Danke und tschüss! Den Rest kann ich wieder alleine.
Der Einzug der Gladiatoren Einsam und alleine, als wenn ich der erste wäre, fahre ich (die Geschwindigkeit hat sich bei 33 km/h normalisiert) durch die Innenstadt von Hamburg. Ein schreien und rufen, ein knattern und pfeifen, ein ohrenbetäubender Lärm umgibt mich und ich sehe aus wie eine Ganz nach dem rupfen, Gänsehaut pur. Noch 800 Meter ins Ziel. Wie fremd gesteuert trete ich, was das Zeug hält, die Zuschauerrufe werden immer lauter, als wollten sie mich nach vorne schreien. „Echt Klasse“, denke ich und stelle fest, das nicht ich gemeint bin, sonder die Vierergruppe, die mich kurz vor der Ziellinie noch abfängt. Trotzdem toll!
Punkt 11:00 Uhr „Geschafft! Sieg, Sieg, Sieg!“, höre ich mich rufen, man muss schon an sich selbst glauben. Ab hier hatte ich das Gefühl, alle wollen nur Dich! Der Helfer auf der rechten Straßenseite ruft: „Hierher!“. Der Helfer auf der linken Straßenseite ruft das gleiche. Wat den nu? Selbst ist der Mann. So versuche ich irgendwie zum Jungheinrich-Bus zu kommen. Das Vorhaben breche ich bei der ersten Transponderabgabe ab, gebe den Transponder ab und bekomme dafür eine Quittung und eine „Finischer-Medaille“. Wow! Danach beschließe ich ins Hotel zu gehen und zu duschen. Der Schlüssel ist nicht an der Rezeption! Heeeh! Dieter? Wie hat der denn den Weg gefunden? Wie auch immer, Dieter steht freudestrahlend in der Tür des Hotelzimmers, nach dem er mir geöffnet hat und fragt: „Na, auch schon da?“ Super, die Frage hätte auch von mir kommen können.
12:00 Uhr Frisch geduscht und aufgelockert stelle ich fest: War echt ne super Veranstaltung.
HEW-Cyclassics 2005 – Nachlese
Die Fahrt war halb so schlimm, wie von einigen im Jägerlatein erzählt. Vielleicht hatten wir RSC’ler aber auch einfach nur Glück. Die Organisatoren der HEW-Cyclassics haben auf jeden Fall an alles gedacht: Getränke und Müsliriegen für die Sportler bis zum abwinken. Wer seine Muskeln zu sehr beansprucht hatte, konnte diese in den Massagezelten wieder auf Vordermann bringen lassen. Betreuung wo es nur geht, echt Profihaft. Wir kommen wieder.
HEW-Cyclassics 2005 – Danksagung
Bedanken möchten wir uns an dieser Stelle aber in erste Linie bei Andreas und Bettina Fessler, die die Organisation seitens der Jungheinrich AG durchgeführt haben. Ebenso bei Bernd Großwald, der es ermöglichte in dieser tollen Truppe mit zu machen und zum Schluss an alle unbekannten Jungheinrich-Helfer im Hintergrund. Ich denke da an die beiden Mädels im Bus an der Theke, die bei Saunahaften Temperaturen das Bier gezapft haben. Danke!
Bericht: Klaus Kriener |