28.06. - 04.07.2009
1.200 Teilnehmer
18 Alpenpässe
880,70 km
18322 Höhenmeter
und
wir
Transalp - die eine oder andere Anekdote
(„6:00 Uhr: aufstehen, 7:00 Uhr: kacken, 8:00 Uhr: Radfahren")
von
Markus K.
Samstag, 27.06. Anreise
Es geht los! In den letzten Tagen hatte ich in sämtlichen Foren jede Information in mich aufgesogen. Ich wusste jetzt alles über den Bikepark, den Koffertransfer und der Brennstoffausgabe (Riegel, Gel, Getränke...) - glaubte ich.
Mein erst kürzlich neu aufgebautes Rad hatte ich für diese Bergtortur mit einer Kompaktkurbel (50/36) und 12-26 Kassette bergtauglich gemacht. Einzig und allein meine sonst so geliebten Karbonlaufräder mussten aus praktischen und sicherheitstechnischen Gesichtpunkten einem Aluminiumlaufrad mit Drahtreifen weichen. Was glücklicherweise, dem optischen Aspekt nicht schmälerte. Sorgenfalten bereitete mir lediglich die überdimensional große Tasche meiner radsporttechnischen Utensilien. Das Gewicht sollte 15kg nicht überschreiten. Uups. Mit dieser Tasche und dem Rad wirkte mein Kofferraum bereits sehr voll. Wird schon werden. Gut gelaunt fuhr ich meine Mixed-Team Partnerin Anja abholen. Alter Schwede! Meine Tasche war schon sehr schwer, aber was Anja aus dem Haus schleppte war noch viel größeres Kino. Ich fing also an unsere benötigten Habseligkeiten zu verstauen. Ich wusste bislang nicht, dass sie in früheren Jahren eine Ausbildung zum Gas- und Wasserinstallateur erfolgreich absolviert hatte. Sie schleppte Unmengen von Rohrisolationsmaterial in verschiedenen Durchmesser an und begann sogleich zielstrebig ihren Karbonrahmen (Typ: Canyon mit Namen „Black Beauty") damit zu verkleiden. Respekt! Und ich dachte immer ich sei schon pragmatisch. Räder und Taschen rein. Und los.
Ab Fulda wurde das Wetter immer schlechter. Ein Schauer jagte den nächsten und mein Scheibenwischer stand allzu häufig auf Stufe III. Der Wetterbericht verhieß nichts Gutes. Meine Stimmung war unter Null. Lediglich die Smashing Pumpkins brachten meine (unsere) Laune noch auf Touren, sofern der CD-Player in meinem Auto 'mal funktionierte.
Ach ja, unser Team hörte fortan auf den Namen „Der Bergsüchtige und die Tretelse". Der „Bergsüchtige" sollte ich wohl sein. Hä? Der „Talsüchtige" würde wohl besser passen. Aber irgendwie fand ich Gefallen an dieser Ironie.
Nach sechs Stunden Autofahrt hatten wir unser Ziel erreicht. Wir fuhren zuerst zur Akkreditierung. Überraschender Weise war es hier sehr überschaubar. Bei 1200 Teilnehmern hatte ich, ein Bienenstock ähnliches Treiben erwartet. Wir holten unsere Startunterlagen, Give-Aways und die überlebenswichtige Transalp Tasche ab und fuhren anschließend ins Hotel. Anja übernahm die Anmelderei in den Hotels. Sie hatte sich auch um die meisten Buchungen im Vorfeld gekümmert, wofür ich ihr auch sehr, sehr dankbar war. Ohne viel Bohai schmuggelten wir unsere Hightech Boliden auf 's Zimmer. Dieser Versuch scheiterte bei unseren Radsportnachbarn kläglich. Sie wurden entdeckt und das Unterfangen endete im Wortgefecht mit dem Vermieter. Anja und ich pfiffen fortan nur noch „La Paloma". Ab 18:00 Uhr begann die obligatorische Pastaparty in der örtlichen Eissporthalle. Die Halle machte ihren Namen alle Ehre. Es war ohne Wenn und Aber „arschkalt". Das Ambiente hatte eine Ausstrahlung wie auf einem Güterbahnhof. Dazu die sehr verkochten Penne „nix dente". Um 19:00 Uhr startete das Bühnenprogramm mit Moderation, Briefing, Siegerehrung, Fotos... Leider zogen Hinz & Kunz (Bürgermeister, Ortsvorsteher, Mork von Ork...) durch ihr Geblubber das Unterfangen unnötig in die Länge. Das anschließende Briefing der morgigen Etappe versöhnte den Abend auch nicht weiter. Der Wetterprophet diagnostizierte 85% Regenwahrscheinlichkeit. Genau das will ein Schönwetterfahrer, wie ich einer bin, hören. Jetzt aber ab ins Hotel. Draußen war es wieder nass und kalt. Im Hotel starteten wir die letzten Vorbereitungen. Die Transalp-Tasche wurde gepackt, Glücklicherweise war diese sehr geräumig, so dass alle Utensilien mitkommen konnten. Unterdessen begann Anja an ihrem Rad 'rum zu werkeln. Es war bereits nach 22:00 Uhr und sie installierte ihren Tacho. Wie abgezockt ist die denn? Ich widmete mich unterdessen der Befestigung meines Transponders. Dann wurden die Klamotten für morgen bereit gelegt und wir hauten uns auf 's Bett. Es lief „Sportfreunde Pocher" und wir lachten uns kaputt. Irgendwann schliefen wir ein. Wir? Ich definitiv nicht. Das Bett und die Decke waren zu kurz für mich und auch noch Seesucker Wäsche. Embryostellung war angesagt. Das Kissen war so prall gefüllt, das ich das Gefühl hatte mein Kopf liegt auf dem Großglockner. Ey, so läuft das nicht. Ich hörte wie der Autoverkehr draußen durch die tiefen Pfützen fuhr, na gute Nacht. Gegen fünf schlief ich endlich ein. |