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Supercup 2007 Seifhennersdorf
bild_kleinDa waren es nur noch zwei!

Am Samstag, den 1. September 2007 mussten Thomas und Klaus (also ich) noch unseren letzten Supercup fahren, um die Serie zu beenden. So setzten wir uns am Freitag ins Auto und düsten mal eben die 600 km nach Seifhennersdorf. Nach fünf Stunden Fahrt kamen wir an unserer Unterkunft an. Eben die Taschen in unserem super Hotelzimmer abgestellt, was in Wirklichkeit wohl mal eine Kaserne war und nun ein Kindererholungszentrum darstellen soll, um dann noch bei der Nudelparty vorbei zu schauen.

Da war um 22:30 Uhr schon das meiste gelaufen. Anmelden konnten wir uns für den Supercup auch nicht mehr, also blieb nur noch das Bier. An der Theke saßen verstreut noch so 6 – 7 Leute. Der eine starrte sein Bier an der andere unterhielt sich mit der Bedienung. Thomas und ich setzen uns dazu und bestellen ein Bier. Es ist ruhig im Saal und alle gucken uns an. Wir beide laufen leicht rot an, bevor uns der Thekenmen aufklärt und sagt: „ Das heißt hier Schwarzbier!“ Der Rest lacht und diskutiert weiter. Uns wird das „Schwarzbier“ vorgesetzt. Wir trinken und schauen uns an. Einstimmiges Votum, echt süffig. Nun ja, wie das immer so ist. Wir kippen uns den ersten Humpen rein und kommen mit der Thekenelite ins Gespräch. Wie gesagt, diese Elite saß verstreut an der Theke, einer hier der andere da, bis ich das entscheidende Wort etwas zu laut sage: „Ötztaler“. Das hat glaube ich jeder im Raum mitbekommen. Als wenn das der Aufruf zu einer Völkerwanderung gewesen wäre, stehen alle auf und gruppieren sich um Thomas und mich.

„Hallo ich bin der Axel aus Dortmund, erzähl mal“, sagt der eine. Der nächste kommt mit na Runde Bier …, nein „Schwarzbier“ um die Ecke und wieder eine haut mir ganz einfach nur auf die Schulter. „Endlich mal ein Held“! Das sollte nicht von dauer sein, wie sich dann am nächsten Tag heraus stellen sollte. Na ja, nach vier Schwarzbier haben wir dann unsere Kinderstube aufgesucht (Toilette auf dem Flur) und haben erst mal bubu gemacht. Was ich in diesem Kinderhort vermisst habe, war ein Schnuller auf dem Kopfkissen, ihr wisst schon, an statt Schokolade oder so.

Der nächste Morgen kam viel zu schnell, was das wach werden nicht gerade unterstützte. Wir hauen uns in die Rennklamotten und fahren zum Start. Was mir sofort auffällt, für süffiges „Schwarzbier“ am Nachmittag ist gesorgt. Schnell zur Anmeldung und dann zum Frühstück. Das finden wir dann auch die Elite wieder. Nüchtern scheint das Leben doch etwas härter zu sein. So macht es jedenfalls den Eindruck. Während wir Frühstücken fängt es an zu Regnen. Das ist uns aber egal, wir sind diese Jahr nichts besseres gewohnt.

Nach dem Frühstück geht es ab in die Startaufstellung. Bei 180 Teilnehmern stehen Thomas und ich gleich in der ersten Reihe. Ist ja auch logisch, nach dem die Elite mich als Held von Sölden gefeiert hat muss ich hier auf dicke Wurst machen. Der Startschuss fällt und los geht’s. Mit einer Gruppe von 15 Fahrern hängen wir sofort hinter dem Führungsmotorad und steuern durch Seifhennersdorf Richtung Grenze. Jetzt kommt der Hammer!!! Wir wollen also von Deutschland nach Tschechien ausreisen. Wer kontrolliert die Pässe, gründlichst und genau. Naaah!!! Genau, die deutschen Grenzbeamten. Heeiiiii, Grenzbeamte, wenn ihr das hier lest, teilt mir doch mal mit, was das für’n Zeug war, was ihr da vorher geraucht habt. Die Dramatik an der Sache war, weder Thomas noch ich hatten den Pass dabei. Aber bei 180 eiligen Radsportlern kann man halt nicht jeden Pass einsehen. Thomas und ich mogeln uns an den Grenzbeamten vorbei und suchen sofort das Hinterrad vom Motorrad.

Wir sind auf dem Weg in die böhmische Schweiz, so hat man mir glaubhaft versichert. Was soll ich sagen, auch ein Ötzi-Held merkt das. Es wird trotz dieser kleinen Berge, nein Erhebungen schwer in den Beinen. Ich lasse die Gruppe um Thomas fahren und kurbele etwas langsamer, also gemütlich den Hügel hinauf. Unterwegs stelle ich Fest, das die Gegend schön ist, wenn man den durch den Nebel was sehen könnte. Oben auf dem Hügel wartet Thomas. Beeindruckt von seiner Truppe erzählt der mir, dass bei dem Tempo in der Gruppe am Berg sogar das Hinterrad durchgedreht haben soll. Wenn einer Durchdreht, dann … Nah, lassen wir das! Bei der Abfahrt, wir sind gerade mal 25 km gefahren, nähern wir uns einer Gruppe Fahrer, die am Straßenrand steht. Wir halten auch an und sehen einen der Zweiradpiloten im Graben liegen. Sah echt schlimm aus. Total verdreckt liegt der da mit aufgerissenem Mundwinkel. 5 cm nach unten aufgerissen. Ich erwische mich bei dem Gedanken, dass das auch was Praktisches hat, man kann die Banane quer essen. Später erzählt mir jemand, das der Lapp auf den Grünstreifen gekommen ist und von da aus dann in den Graben abgerutscht sein. Beim Überschlag soll der mit dem Kopf auf einen großen Stein geschlagen sein.

Das leben ist hart und wir haben noch 185 km vor uns, also weiter. Es geht durch weite Wälder leicht bergan bis die Straße durch zwei Findlinge eingeengt wird. Das war der Grenzübergang von Tschechien nach Deutschland. Kein Grenzhäuschen, kein Grenzbeamter, nicht’s, nur zwei Findlinge. Die Grenzbeamten am Morgen mussten doch irgendwas geraucht haben. Junge, junge, junge!!!

Von hinten kommt wieder ne Schnellfahrertruppe an uns vorbei. Ich beobachte Thomas, der so’n heftiges zittern im linken Bein bekommt. Ich rufen: „Häng dich hinten rein!“ Kaum ausgesprochen, zündet der seinen Turbo und schießt hinterher. Später, auf der ersten Verpflegungsstation, erzählt der mir, dass er auf der nassen Straße in einer Kurve mindestens einen halben Meter mit beiden Rädern nach links gerutscht sei. Ohne zu stürzen. Heeeh? Durchdrehende Räder an Berg, halber Meter rutschen??? Hat der auch was geraucht? Wie dem auch sei. Nach der Kontrolle nimmt mein persönliches Drama seinen Lauf. Der innere Muskel des Quadriceps (wer den nicht kennt, das ist der Muskel, der sich kreuzförmig über das Gelenk erstreckt und in den die Kniescheibe eingebettet ist) fängt wieder leicht an zu ziehen. Das Phänomen hatte ich auch auf den letzten Kilometern in Sölden. Helden kennen keine Schmerzen, also ignoriere ich das Ziehen und versuche mit Thomas einigermaßen mit zu halten.

Wir brettern am Bretterzaun entlang, so sieht die Gegend hier nach unserer Empfindung jedenfalls aus. Dann kommt die Grenze zu Polen. Au Backe! Nach fünf Kilometern fällt mir der Song von Udo Linden Berg ein „Hinterm Horizont geht’s weiter, ein neuer Tag …“. Den dichte ich natürlich sofort um in: „Hinterm Bretterzaun geht’s weiter, eine neuer Schlag …“! Ein Schlagloch nach dem anderen und da wo keine Löcher waren, war die Straße so zusammengeflickt, dass sich das auch wie Schlaglöcher anfühlte. Nach 140 km kommen wir an die vorletzte Kontrollstation. Wir mussten das Tempo stark drosseln, da mein Knie mir seit einer guten Stunde mehr Probleme bereitet als mir lieb ist. Es knirscht im linken Quadriceps des rechten Beines. Während der Pause an der Kontrolle kann sich der Muskel nur bedingt erholen. Nun denn! Wir satteln auf und reiten weiter durch dieses unwegsame Gelände.

Endlich wieder in Deutschland auf richtigen Straßen angekommen, geht es leicht hügelig der letzten Kontrolle entgegen. Drei Kilometer bevor wir also Zittau erreichen explodiert mein Quadriceps. Das hätte ich jetzt so nicht erwartet. Von einem Tritt auf den anderen schießt ein derartiger Schmerz in das Knie, das ein weiterfahren kaum möglich ist. „Heldensterben“, was anderes kann das nicht sein denke ich und versuche diese besagten 3 km bis zur rettenden Kontrolle hinter mich zu bringen. Wir schleichen mit sagenhaften 15 km/h nach Zittau rein. Auch die Pause an der Kontrolle bringt keine Besserung. Vierzig Kilometer sind’s noch bis ins Ziel. Thomas erzählt mir später, dass da noch 800 hm drin waren. Gott sei’s gedankt, dass ich einen anderen Weg gewählt hatte. Also, ich habe mich in Zittau dazu entschlossen nicht weiter zu fahren, da noch ein paar Hügel auf uns warteten. Thomas hat sich darauf hin eine adäquate Gruppe gesucht und die letzten Kilometer in Angriff genommen. Nun ja, man gibt das ja nicht gerne zu, aber in diesem Fall muss ich … Wie soll ich sagen? Ihr könnt euch denken …! Was soll’s, ich bin Taxi gefahren. Aber nur bis zum Ortseingangsschild von Seifhennersdorf. Den letzten Kilometer habe ich wieder selber getreten. Unter schmerzen, wie ihr euch sicher denken könnt. Irgendwie also doch ein Held!?!?

Am Ziel angekommen, packe ich mein Rad weg, Schnauze voll vom radeln!!!! Da war doch noch was? Ach ja, das „Schwarzbier“! Das ist doch auch ´nen toller Sport. Reißen in der Halbliterklasse. Zu erst eine Wurst und dann das schmackhafte „Schwarzbier“. So warte ich auf die echten Ritter, die jetzt, wo es wieder anfängt zu Regnen, noch am Berg kämpfen. Ach ja, so’n Bierzelt ist doch was Feines. Und so warte ich hier bis nach 1 ½ Stunden Junker Thomas ins Ziel geritten kommt. Der sieht auch so aus, als wenn er die Schuhe jetzt über hat. Die Gesichtszüge erhellen sich bei ihm aber schlagartig, als er mich beim „Schwarzbier“ sieht. Wir tauschen die Plätze. Ich stell dem waren Helden einen Humpen des süffigen Gebräues auf den Tisch und gehe voller Respekt seinen Renner einpacken. Danach setze ich mich wieder zu Thomas. Bei dem sitzen inzwischen Georg aus Mastholte, sowie so’n Einzelkämpfer (Triathlet) mit seiner Ische, beide aus Herzebrock. Alle drei haben was leuchtend Schwarzes in der Hand! Sieht einfach toll aus! Das „Schwarzbier“ meine ich.

Wieder in „unserer“ Kinderstube angekommen, geht es erst einmal unter die heiße Dusche. Nach dem wir uns ausgehfertig in Schale geworfen hatten, kam die berechtigte Frage auf: Wie kommen wir hier eigentlich ohne Auto weg? Dieser Kinderhort lag nämlich weit außerhalb von Seifhennersdorf und das einzige Taxi in dieser gottverlassenen Gegend hatte ich am Nachmittag schon verbraucht!  Lange Rede kurzer Sinn, wir sind die 2 km zurück zum Bierzelt zu Fuß abgelaufen. Wen wundert’s, das Knie war auch dabei. Im Zelt gab’s auf die Schnelle noch ´nen Pott von diesem schwarzen Zeug, bevor wir dann zum essen in eines dieser spartanisch ausgestatteten Lokale gewandert sind, also Thomas und ich. Wir sitzen da hinter unserem „Schwarzbier“, als die Lokaltür auf geht und der Einzelkämpfer mit seiner Änne rein kommt. Die setzen sich zu uns und dann …? Man war das feucht fröhlich!

Das Bier hatte auf jeden Fall durchschlagende Wirkung. Das merke ich am nächsten Morgen. Die Birne brummt und Thomas sah aus als hätte er die Schlacht verloren. Nach dem Frühstück, welches uns irgendwie schwer fiel, sind wir den Heimweg angetreten.

So, jetzt wo ich hier sitze und diesen Bericht schreibe zuckt es wieder in den Sportlerbeinen. Zwei Wochen Pause ist ´ne lange Zeit. Also schwing ich mich auf mein Mountainmuli und fahre eine kleine Runde. Thomas hat mir das mountainbiken beigebracht, aber eins hab ich ganz alleine gelernt, nämlich das absteigen über den Lenker!! Schmeißt mich doch dieser blöde Bock in der Rottwiese ab, unglaublich! Naja, ich hatte danach ´nen dicken Hals und der Eickhölter ´nen dickes Portemonnaies.

Also, irgendwann fährt man sich mal wieder über die Socken. In diesem Sinne, Tschöööö!.

 
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